Ökologisches und Soziales Bauen im Genossenschaftsmodell

MARO Projekt Weilheim

Foto: MARO

Ökologisches und Soziales Bauen im Genossenschaftsmodell war das Thema der Grünen Stunde des Ortsverbands Hohenbrunn der Grünen am 16. Juni 2021. Bei bestem Biergartenwetter und laufender Fußball EM war die Konkurrenz zum digitalen Vortrag groß. Umso erfreulicher, dass sich 20 Zuhörer*innen mit großem Interesse einfanden.

Referent des Abends war Martin Okrslar von der MARO Genossenschaft. Die MARO realisiert im Raum Oberbayern, bevorzugt in ländlichen Regionen, Bauprojekte mit speziellem Fokus: Wohngemeinschaften für Demenzkranke und Mehrgenerationen-Wohnprojekte. Seit ihrer Gründung 2012 hat die MARO 190 Wohneinheiten fertig gestellt, 250 weitere sind im Bau.

Ein echtes Herzensanliegen sind für Okrslar die Wohngemeinschaften für Demenzkranke. In diesen Projekten leben Erkrankte in Gemeinschaft – mit gemeinsamen Räumen für Wohnen und Kochen – und doch mit Privatsphäre mit eigenem Zimmer und Bad. Die Angehörigen bleiben in der Pflicht oder „am Steuer“ wie Okrslar es ausgedrückt. Sie wählen den Pflegedienst aus, kümmern sich um die Tagesgestaltung und die Organisation der Mahlzeiten – und sie bleiben ein wichtiger Teil des Alltags. Als Angehöriger hatte Okrslar vor dreizehn Jahren selbst nach einer Alternative zur Unterbringung im Pflegeheim gesucht und war auf Studien zum gemeinsamen Wohnen von Demenzerkrankten gestoßen. Damals gab es kaum Projekte und Träger, die diese spezielle Wohnform umsetzen. Aus dieser Suche wurde die MARO Genossenschaft geboren.

„Ja, die Demenz-WG bedeutet einen erheblichen Zeitaufwand für die Angehörigen“, antwortet Okrslar auf die Frage einer Teilnehmerin. Aber der Austausch und die Zusammenarbeit mit anderen Angehörigen biete auch emotionale Unterstützung und Gemeinschaftsgefühl.
Überhaupt geht es der MARO viel um das Schaffen von Gemeinschaft. Die Mehrgenerationen-Wohnprojekte sollen hohe individuelle Lebensqualität mit solidarischem Zusammenhalt verbinden.

Die Hausgemeinschaft teilt die Instandhaltungsarbeiten unter sich, gemeinsame Veranstaltungen gehören zum Pflichtprogramm, es gibt Gemeinschaftsräume und die Architektur ist darauf ausgelegt, Gelegenheit zur alltäglichen Begegnung zu fördern. Ob so viel Gemeinschaft nicht auch Streit und Ärger hervorrufe, fragten einige Teilnehmer*innen und bezogen sich auf ihre Erfahrungen mit Wohngemeinschaften. Die Genossenschaft versucht, größeren Konflikten vorzubeugen, in dem sie die Hausgemeinschaften in der Gründung, aber auch nach der Entstehung intensiv begleitet und z.B. auch Workshops zur Mediation anbietet. Tiefergehende Konflikte sind selten, denn die meisten Mieter haben sich bewusst für diese Wohnform entschieden, um der Vereinzelung vorzubeugen. Eine gute Mischung der Generationen erreicht die MARO über die Größe der Wohnungen – von der 2-Zimmer-Wohnung für Singles bis zu 5-Zimmer-Wohnungen für Familien.

Bei aller Betonung von Gemeinschaft, naiv ist die MARO nicht. Die Finanzierung der Bauten wird „beinhart“ kalkuliert, denn nur so kann das Ziel der Schaffung bezahlbaren Wohnraums auch ermöglicht werden. Da bleibt dann auch mal der – von vielen der anwesenden Grünen favorisierte – Holzbau auf der Strecke. Als Baustoff zu teuer, zu wenige Handwerkerbetriebe, die sich mit Holzbau gut auskennen. „Mit dem Thema sind wir durch“, so Okrslar. Auch die integrierten Car-Sharing Angebote sind nicht nur ein ökologisches Anliegen, sondern erfüllen gleichzeitig auch einen ökonomischen Zweck. Je mehr Mieter auf (Zweit-) Wagen verzichten können, desto weniger Parkplätze müssen gebaut werden. Aufzüge, ein weiterer großer Kostentreiber im Bau, werden in möglichst geringer Zahl eingebaut, die Gebäude sind trotzdem komplett barrierefrei.

Gut die Hälfte der Wohnungen werden im Rahmen Sozialen Wohnungsbaus gefördert – und zu den Berechtigten zählt durchaus die ökonomische Mittelschicht. Für ein Ehepaar mit drei Kindern liegt die Grenze bei 94.000 € Bruttojahreseinkommen.

Was die MARO brauche um ein Projekt zu starten fragt eine Teilnehmerin zum Schluss: „Bauland, Baugenehmigung und ein klarer Auftrag der Gemeinde“, so die knappe Antwort.

Ruth Jachertz

 

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