Energievision – Festlegung von Zwischenzielen

Bürgermeister Straßmair trug den Verwaltungsvorschlag vor: Die Zielwerte der Energievision (60 % Energieeinsparung bis 2050 und Deckung der verbleibenden 40% Energiebedarf durch regenerative Energiequellen) sollen „in linearer Berechnung in einen fiktiven Jahreswert umgerechnet werden“. Um der Vorbildfunktion der Gemeinde Rechnung zu tragen, sollten diese Werte mit 1,5 bzw. 2 multipliziert werden, um zu einem „Idealwert“ zu kommen. Es sollen 5-Jahres-Ziele, zunächst für 2012 und 2017, festgelegt werden. So kommt Straßmair bis 2012 zu Einsparmöglichkeiten von (ideal!) 10-15%, bis 2017 von 20-30%. Eine Umstellung auf regenerative Energieträger soll bis 2012 zu 17-23%, bis 2017 zu 35-46% geschafft werden.

Wir begrüßen die Initiative der Verwaltung, den Weg zur Umsetzung der Energievision endlich zu konkretisieren; immerhin haben wir uns bereits 2006 auf die bis 2050 zu erreichenden Einspar- und Umstellungsziele festgelegt. Kritisch sehen wir allerdings die vorgetragene Herangehensweise.

Eine Zerlegung des Endzieles in Jahresscheiben – wenn ich 2050 60 % eingespart haben will, muss ich ab 2007 jährlich 1,4% einsparen – führt tatsächlich zu „fiktiven“, d.h. wenig konkreten, nicht handlungsbezogenen Zielen. Das bringt uns nicht weiter! Die lineare Betrachtung ist nicht sachgemäß und nicht einmal als Hilfskonstrukt angebracht. Wir sehen in Hohenbrunn einige „große Stellschrauben“ (z.B. energetische Sanierung der Grund- und Haupotschule mit Hallenbad). Wenn wir die verändern, werden wir in wenigen Jahren große Einspareffekte erzielen. Danach wird es mühsamer und wir müssen uns an das 60%-Ziel vollends mühsam „herankämpfen“.

Das Problem ist also nicht durch einen Rechenalgorithmus und isolierte Planung fiktiver Ziele zu lösen. Zu realistischen und zugleich ehrgeizigen Zielen kommen wir nur durch eine integrierte Ziel- und Maßnahmenplanung: Wir müssen möglichst genaue und möglichst vollständige Ausgangswerte 2006/2007 zugrundelegen, wir sollten, wo möglich, Vergleichswerte aus anderen Gemeinden des Landkreises oder des Landkreises heranziehen. Und wir müssen alle denkbaren Stellschrauben und daraus abgeleitet alle (auch finanziell) machbaren Veränderungen (Sanierungen, Neubeschaffungen, Verhaltensänderungen, …) zusammenstellen, um daraus konkrete Ziele (Einsparungen, Effizienzsteigerungen, Umstellungen) abzuleiten. Nur so werden wir uns weder überfordern noch unterfordern, sondern konkrete, realistische und damit handlungsanleitende und motivierende Ziele vereinbaren.

Allein eine überschlägige Betrachtung der bisher vorliegenden Zahlen zeigt, dass der Weg Straßmairs wohl nicht zielführend sein kann: 2006 wurden in gemeindlichen Liegenschaften (deren Energieverbrauch damals noch nicht zu 100% erfasst wurde) ca. 450.000 m³ Gas verheizt, davon allein im Schulkomplex Riemerling-West, einschl. Hallenbad 355.000 m³. Unterstellt man dort ein Einsparpotenzial von 35-40%, was angesichts der sehr alten Heizanlage und des sehr schlechten Gebäudezustandes realistisch erscheint, kann Gas in der Größenordnung von 140.000 m³, das sind bereits 30% des Gesamtbedarfs, eingespart werden. Hinzu kommt, dass der Krippenneubau in Hohenbrunn mit Überarbeitung der Heizanlage für die gesamte Kinderwelt Hohenbrunn den durchschnittlichen Verbrauch pro m² unserer Liegenschaften deutlich günstig beeinflussen sollte. Außerdem ist zu erwarten, dass in allen Gebäuden mit entsprechenden Verhaltensänderungen der Nutzer ein Einsparpotential von 5-10% (sicherlich mit Anstrengungen aber möglich!) ausgeschöpft werden kann. Beispielhaft sei hier die Schule Hohenbrunn genannt, in deren Räume lange Zeit keine konsequente Temperaturabsenkung in den Ferienzeiten (Herbst-, Weihnachts- und Osterferien fallen in die Heizperiode!) erfolgte.

Nach einer ausführlichen Diskussion folgte die große Mehrheit des Gemeinderates unserem Antrag, „das Energieteam oder ein anderes Gremium des Gemeinderates mit der Erarbeitung einer integrierten Ziel- und Maßnahmenplanung zu beauftragen, um im Januar 2011 die Einspar- und Umstellungsziele 2012 und 2017 festzulegen“. Straßmair plädierte dafür, aus Zeitgründen den Bau- und Umweltausschuss zu beauftragen.

Überarbeitung der Richtlinien für das Förderprogramm zur Energieeinsparung und Verbesserung der Luftqualität der Gemeinde Hohenbrunn

Die Richtlinien wurden an gesetzliche Änderungen und Vorgaben und dem neuesten Stand der Technik angepasst.

Schwerpunkt der Diskussion war allerdings die Frage, welche Maßnahmen die Gemeinde zukünftig mit Nachdruck fördern soll und will, ob unsere bisherige Förderung im Wesentlichen nur „mitgenommen“ wird oder tatsächlich zukunftsweisende und zukunftsbeständige Verbesserungen bewirkt. Dies zu beurteilen wären Informationen darüber notwendig, wie viele Anträge jährlich gestellt und welche Maßnahmen mit welchen Beträgen gefördert werden, die die Verwaltung in der Sitzung allerdings nicht parat hatte. Deshalb war der Antrag Scharls (CSU), der die Förderung künftig auf Energieberatung und Thermographie beschränken wollte, auch nicht erfolgreich.

Antrag GR Vogelsang (ÜWG) auf Errichtung einer durchgängigen Beleuchtung des Rad-/Fußweges zwischen Riemerling-West und Dorf Hohenbrunn

Vogelsang trug ein seit langem anhängiges Anliegen vor: Der Rad- und Fußweg zwischen Riemerling-West und Dorf solle wie die anderen Wege zwischen den Ortsteilen Hohenbrunns beleuchtet werden.

Seit vielen Jahren sieht der Gemeindehaushalt Mittel dafür vor, nachdem diese einem SPD-Antrag entsprechend beschlossen und eingestellt worden waren. Allerdings – weder unter Bürgermeister Zannoth noch während Straßmairs Amtszeit wurde diese Maßnahme jemals ernsthaft erwogen oder gar in Angriff genommen. Deshalb wurde der Antrag nun abgeändert, ein Grundsatzbeschluss war ja nicht notwendig, und die Durchführung der Maßnahme in 2011 beschlossen. In der Diskussion warf Kollege Schmidhuber ein, dass wohl nicht die objektive Sicherheit, sondern primär das subjektive Sicherheitsempfinden durch die aufwändige Maßnahme verbessert würde. Andere negative Bedingungen, so etwa Scheinwerferlicht der Autos, das die Radler unangenehm blendet, seien nicht zu beheben und mindestens ebenso sicherheitsrelevant. Die nächtliche „Lichtverschmutzung“, unter der v.a. Insekten leiden, blieb völlig außen vor.

 

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